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Altstadter Wappen

Am Schwert im Wappen entzündeten sich die Altstadter Geister

Am Schwert im Wappen entzündeten sich die Altstadter Geister

 

Martin Baus

 

Die Gemeindeväter hätten sich in den 1960er Jahren vielleicht nicht so viel Zeit gelassen, der damals noch eigenständigen Gemeinde Altstadt ein Wappen zu verpassen, wenn ihnen bewusst gewesen wäre, dass die Bedeutung dieses Hoheitssymbols ohnehin bald nur noch inoffiziell sein würde. Die Gebietsreform zum Jahresbeginn 1974 und die damit einhergehende Zugliederung von Altstadt zu der neuen Gemeinde Kirkel machte das örtliche Wappen nach kurzer Geltungsdauer wieder obsolet. Zuvor hatten die Diskussionen im Altstadter Gemeinderat fünf ganze Jahre in Anspruch genommen, bis Ende 1966 die Entscheidung für ein Wappen gefallen war.

Der Vorschlag, ein Altstadter Wappen erstellen zu lassen, kam 1961 vom damaligen Pfarrer Karl Oster aus. "Bei der Zusammenstellung der Festschrift zur Einweihung der Altstadter Kirche ist mir aufgefallen, daß die Gemeinde noch kein Wappen besitzt", schrieb er in einem Brief vom 14. August 1961 an den noch neuen Bürgermeister Hugo Strobel und gab damit den Anstoß für eine langwierige Duiskussion. Die Wappenfrage kam gleich auf die Tagesordnung des Gemeinderates; das Gremium beauftragte den saarländischen Heimatforscher und Heraldiker Kurt Hoppstädter, ein derartiges Logo zu fertigen. Hoppstädter bot drei Entwürfe zur Auswahl, die den Grundsätzen der Gemeindeordnung entsprachen. In diesem Reglement war festgelegt, dass "das Gemeindewappen unter Beachtung der heraldischen Grundsätze wenn möglich an die Geschichte des Ortes anknüpfen, dabei aber das Besondere hervorheben solle, das sie von anderen Gemeinden unterscheidet. Das Wappenbild soll klar gegliedert und auch auf weite Entfernung gut erkennbar sein".

Gesagt, getan - als die drei Muster vorlagen, wurden sie im Aushangkasten der Gemeinde öffentlich präsentiert und zur Schaugestellt. Man erhoffte sich so Anregungen und Vorschläge zur Gestaltung aus den Kreisen der Bürger, aber auch deren Akzeptanz. Diese Hoffnung erfüllte sich allerdings nicht, eine Diskussion über die Altstadter Wappenfrage kam nicht nur nicht in Gang, sie versandete vielmehr sogar im Gemeinderat. Erst fünf Jahre später kam das Thema erneut aufs Tapet.

Da in früheren Zeiten nicht wie heute die Waage, sondern das gestürzte Schwert oder der Schlüssel - dieser allerdings nur in Zusammenhang mit einem Verlies - das Symbol für Gerechtigkeit war, enthielt der Entwurf der engeren Wahl eben das Schwert: Schließlich war Altstadt bis ins 17. Jahrhundert hinein Sitz des Hochgerichts. Auf dem Galgenberg waren seit Alters her und von der vorbeiführenden, viel bereisten "Geleitstraße" her gut, weil zur allgemeinen Abschreckung zu sehen, verurteilte Übeltäter hingerichtet worden. Doch entzündeten sich nun die Geister der Gemeinderäte. Das Schwert auch als Symbol von Krieg und Gewalt fand wenig Gegenliebe und deshalb auch keiner der Entwürfe zunächst Zustimmung. Da aber Keinem etwas Besseres einfiel, entschied sich der Rat im November 1966 endlich. Neben der Symbolik des gestürzten Schwertes bestimmten fortan zwei weitere, für die örtliche Geschichte wesentliche Merkmale das Wappen. Die goldene Deichsel, die sich durch das Wappen von oben nach unten durchzieht, weist auf die Wegegabelung hin, die noch heute in der Erbacher und der Bexbacher Straße besteht und die aller Vermutung nach schon zu Zeiten der alten Römer ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt war. Auch die besagte "Geleitstraße" des Mittelalters, die von Metz an den Rhein führte und den immens wichtigen Bliesübergang bei Altstadt zu passieren hatte, wurde so berücksichtigt. Der so genannte Wellenbalken im unteren Wappenabschnitt symbolisiert diese Flussquerung, die über Jahrhunderte hinweg die Grenze zwischen dem Herzogtum Pfalz-Zweibrücken (auf Limbacher Seite) und dem Fürstentum Nassau-Saarbrücken darstellte. Das ganze Mittelalter über bis in die Neuzeit hinein war diese imposante Brücke jener Stelle, an der der "Geleitzoll" zu entrichten war, eine Gebühr, mit der sich Reisende den Schutz der jeweiligen Landesherren erkauften. In zahlreichen Urkunden, insbesondere in jenen des Wörschweiler Klosters, ist dieser Übergang deshalb erwähnt.

Wappenfarben sind blau, silber und gelb. Blau und silber waren die Farben des ehemaligen Herrschaft Homburg. Gelb hat schließlich keinerlei geschichtliche Bedeutung, es soll lediglich die Wegegabelung von den anderen Symbolen hervorheben. Insofern ist die gelbe Einfärbung des Schwertes als Attribut des Ortsteiles Altstadt auf dem Wappen der Gemeinde Kirkel ebenso völlig willkürlich wie dessen eigentlich historisch nicht begründete waagerechte Darstellung.

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